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Rhetorische Werkzeugkiste

Rhetorische Mittel sind quasi das Gewürzregal der Sprache – richtig dosiert machen sie aus einem faden Text ein Gourmet-Menü.

Die Werkzeugkiste der Rhetorik

Rhetorisches MittelBedeutung / WirkungHerleitung (Etymologie)Beispiel
AlliterationGleiche Anfangsbuchstaben bei aufeinanderfolgenden Wörtern.Lat. ad (zu) + littera (Buchstabe)“Milch macht müde Männer munter.”
AnadiploseDas Ende eines Satzes ist der Anfang des nächsten.Griech. anadíplōsis (Verdopplung)“Er ging in den Wald, den Wald der Geister.”
AnapherWiederholung eines Wortes am Satzanfang.Griech. anaphorá (Rückbeziehung)Ich kam, ich sah, ich siegte.”
AnspielungVersteckter Hinweis auf eine Person oder ein Ereignis.Dt. anspielen (etwas kurz berühren)“Du bist ja ein echter Einstein!”
AntitheseEntgegenstellung von Begriffen oder Gedanken.Griech. antíthesis (Gegensatz)“Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.”
AssonanzGleichklang der Vokale in benachbarten Wörtern.Lat. assonare (anklingen)“Otto’s Mops kotzt.”
AsyndetonAneinanderreihung ohne Bindewörter (Konjunktionen).Griech. asýndeton (unverbunden)“Alles rennet, rettet, flüchtet.”
ChiasmusÜberkreuzstellung von Satzgliedern (A-B-B-A).Griech. Buchstabe Chi ($\chi$)“Ich schlafe am Tag, in der Nacht wache ich.”
EpistropheWiederholung am Satzende.Griech. epistrophē (Zuwendung/Umkehr)“Ich will nichts, ich brauche nichts, ich habe nichts.”
EuphemismusBeschönigende Umschreibung.Griech. eu (gut) + phēmí (sagen)“Heimgang” statt “Tod”.
GleichnisEine durch ein Vergleichswort verknüpfte Veranschaulichung.Mittelhochdt. gelīchnisse“Stark wie ein Löwe.”
HyperbelStarke Übertreibung.Griech. hyperbolē (Überwurf)“Ein Meer von Tränen.”
IronieDas Gegenteil des Gesagten ist gemeint.Griech. eirōneía (Verstellung)“Das hast du ja wieder toll hingekriegt!” (bei einem Fehler)
LautmalereiWörter, die Geräusche nachahmen (Onomatopoesie).Griech. ónoma (Name) + poieín (machen)“Kuckuck”, “Zischen”, “Bumm”.
LitotesBejahung durch doppelte Verneinung (Untertreibung).Griech. litótēs (Schlichtheit)“Nicht gerade hässlich” (für sehr schön).
MetapherBildlicher Vergleich ohne “wie”.Griech. metaphorá (Übertragung)“Die Mauer des Schweigens.”
OxymoronVerbindung zweier sich widersprechender Begriffe.Griech. oxýs (scharf) + mōrós (dumm)“Eile mit Weile”, “Hassliebe”.
ParallelismusGleiche Satzstruktur in aufeinanderfolgenden Sätzen.Griech. parállēlos (gleichlaufend)“Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.”
PersonifikationVermenschlichung von Dingen oder Tieren.Lat. persona (Person) + facere (machen)“Die Sonne lacht.”
PolysyndetonAneinanderreihung mit vielen Bindewörtern.Griech. polý (viel) + sýndeton (gebunden)“Und es regnet und es stürmt und es schneit.”
Rhetorische FrageFrage, auf die keine Antwort erwartet wird.Griech. rhētorikē (Redekunst)“Wer ist schon perfekt?”
SynekdocheEin Teil steht fürs Ganze (oder umgekehrt).Griech. synekdochē (Mitverstehen)“Dach über dem Kopf” (für ein ganzes Haus).
ZeugmaEin Verb bezieht sich auf zwei ungleiche Objekte.Griech. zeûgma (Joch/Verbindung)“Er schlug die Zeit und das Fenster tot.”

Ein kleiner Hinweis zur Anwendung:

Die Herleitung hilft oft, sich die Bedeutung zu merken. Wenn du zum Beispiel weißt, dass Hyperbel wörtlich “über das Ziel hinauswerfen” bedeutet, vergisst du nie wieder, dass es um eine krasse Übertreibung geht. In der antiken Rhetorik (bei Aristoteles, Cicero oder Quintilian) wurden über 200 verschiedene Figuren und Tropen definiert. Rhetorik ist ein riesiges Feld, das über Jahrtausende gewachsen ist. Man kann sie grob in verschiedene Kategorien einteilen, um den Überblick zu behalten.

Warum gibt es so viele?

Rhetorik ist die Kunst der Überzeugung. Da Menschen auf unterschiedliche Weise reagieren, gibt es für jede Nuance ein eigenes Werkzeug:

  • Wortfiguren: Ändern die Form oder Wiederholung (z. B. Alliteration).
  • Sinnfiguren: Ändern die Logik oder den Inhalt (z. B. Ironie).
  • Satzfiguren: Ändern den Aufbau (z. B. Chiasmus).
  • Tropen: Ersetzen einen Begriff durch ein Bild (z. B. Metapher).

Ein paar „Exoten“ für Fortgeschrittene:

Hier sind noch fünf weitere, die zeigen, wie spezifisch es werden kann:

  1. Aposiopese: Ein bewusster Abbruch mitten im Satz.
    • Beispiel: „Wenn du das noch einmal tust, dann…!“ (Die Drohung bleibt im Kopf des Hörers).
  2. Hendiadyoin: Ein komplexer Begriff wird durch zwei gleichwertige Wörter mit „und“ ausgedrückt.
    • Beispiel: „Feuer und Flamme“ (statt „begeistert“), „Hab und Gut“.
  3. Pleonasmus: Ein inhaltlich überflüssiger Zusatz, da das Merkmal schon im Wort steckt.
    • Beispiel: „Der weiße Schimmel“, „der nasse Regen“.
  4. Paronomasie: Ein Wortspiel mit gleich oder ähnlich klingenden Wörtern.
    • Beispiel: „Eile mit Weile“ oder „Lieber arm dran als Arm ab“.
  5. Anakoluth: Eine grammatikalische Störung im Satzbau (Satzbruch).
    • Beispiel: „Kalle, der, wenn man ihn fragt, er weiß es auch nicht.

Die „Gefahr“ der Rhetorik

Man kann es natürlich auch übertreiben. Wenn ein Text vor rhetorischen Mitteln nur so strotzt, wirkt er oft künstlich oder „maniriert“. Die Kunst besteht darin, sie so einzusetzen, dass man sie kaum bemerkt, sie aber trotzdem ihre psychologische Wirkung entfalten. Möchtest du diese Liste für einen bestimmten Zweck nutzen – etwa für eine Textanalyse, oder willst du deine eigene Überzeugungskraft in Reden verbessern?