ArtCraft: Adobe Ade

Artcraft ist eine kostenlose Open-Source-Softwaresammlung, die darauf abzielt, die wichtigsten Programme der Adobe Creative Cloud herauszufordern.

 Ihre Entstehung entspringt weniger einer kommerziellen Strategie als vielmehr einer Art "Rache-Innovation" — ausgelöst durch die Unzufriedenheit eines Entwicklers mit dem Abonnementmodell von Adobe.

Initiator des Projekts ist Brandon Thomas, ein Softwareentwickler mit rund fünfzehn Jahren Erfahrung. — Er hat öffentlich erklärt, dass ihn die Kosten für die Kündigung von Adobe-Abonnements mehrfach frustriert haben – und genau diese Frustration führte zur Geburt von Artcraft.

Thomas nutzte das KI-Modell Claude Opus 5.5 von Anthropic sowie die Programmiersprache Rust, um die Funktionen und Oberflächen von sieben zentralen Adobe-Anwendungen in einem sogenannten "Clean-Room"-Verfahren neu umzusetzen. — Clean-Room bedeutet, dass nicht direkt der Quellcode von Adobe kopiert wurde, sondern eine unabhängige Neuentwicklung auf Basis funktionaler Beschreibungen stattfand.

Screenshot VectorCraft
Die Software VectorCraft läuft flüssig, wo selbt Inkscape Probleme hat.

Die Namen der Programme machen ihre jeweiligen Vorbilder unmissverständlich deutlich: Photocraft entspricht Photoshop, Lightcraft entspricht Lightroom, Filmcraft entspricht Premiere, Effectcraft entspricht After Effects, Vectorcraft entspricht Illustrator, Designcraft entspricht InDesign und Printcraft entspricht Acrobat Pro.

Diese Anwendungen erfordern keine Kontoregistrierung, keine zwingende Cloud-Verbindung und sammeln keine Telemetriedaten. — Zudem sind ihre Installationspakete deutlich kleiner als die der entsprechenden Adobe-Produkte.

Thomas positioniert das Projekt als "den Open-Source-Bildeditor, den du ohnehin schon zu bedienen weißt" — mit dem Ziel, die Umstellung für Nutzer zu erleichtern, die mit den Arbeitsabläufen von Adobe vertraut sind.

Das Erscheinen von Artcraft hat in der Tech-Community große Aufmerksamkeit erregt. — Auf Reddit finden sich Kommentare wie "Es wurde Zeit, Adobe endgültig den Rücken zu kehren", und sogar die Bank HSBC hat deshalb ihre Bewertung von Adobe herabgestuft — aus Sorge, dass ein Teil der Hobby-Nutzer abwandern könnte.

Ein internes Bewertungsdokument des Entwicklungsteams zeigt, dass Photocraft nur etwa 76 Prozent der Photoshop-Funktionen abdeckt und die Bewertung für "Professionalität" lediglich 45 Prozent beträgt.

Das bedeutet: Für professionelle Anwender, die präzises Farbmanagement, komplexe Ebenenkomposition ist Artcraft derzeit noch kein Ersatz für Adobe.

Der eigentliche Wert liegt momentan eher auf konzeptioneller Ebene: Es beweist, dass ein kleines Team mit modernen KI-Werkzeugen in kürzester Zeit die funktionale Silhouette großer kommerzieller Software annähern kann.